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Essen neu denken?

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Insekten als Eiweißlieferanten

„Insekten sind besser als Fleisch!“ Eine sehr provokante Einleitung zu einem Themen­bereich, der zumindest des Nachdenkens wert ist. In anderen Ländern gelten Insekten oft als Delikatesse. Sie werden auf den Märkten in allen Formen ange­boten, gegrillt, frittiert, bereits im Gericht verarbeitet oder zum Weiterverarbeiten für zu Hause. Hier bei uns gibt es oft schon Geschrei, wenn in einem Apfel oder einer Kirsche ein Wurm zuhause ist.

Andererseits beginnt auch bei uns ein gewisses Um­denken. Aldi soll bald in speziell ausgewählten Läden Mehl aus Mehlwürmern anbieten. In der Schweiz werden Mehlwurm, Grille und Europäische Wander­heuschrecke schon als Lebensmittel verkauft. Wer die Zubereitung scheut: Der Schweizer Großhändler Coop lanciert Produkte auf Insekten-Basis, etwa Burger oder Hackbällchen.

Es bewegt sich also etwas – aber ist es eine Mode­erscheinung im Bereich Ernährung oder wäre es wirk­lich eine Alternative zur Welthungerbekämpfung?

Wir wissen, das Verhältnis Eiweiß-Gehalt zum Beispiel von Mehlwürmern im Vergleich zu Fleisch ist pro Mehlwurm, weil der Einsatz von Nahrung für den Mehl­wurm 1:1 gerechnet werden kann. Der Futtereinsatz zur „Fleischherstellung“ ist deutlich höher. Neben Ei­weiß sind die Krabbeltiere reich an ungesättigten Fettsäuren und enthalten Ballast- und Mineralstoffe sowie Vitamin B1, B2, B12, Zink, Eisen und Magne­sium.

Insekten sind Eiweißlieferanten, die in der Aufzucht weniger Strom und Wasser brauchen als andere Fleischlieferanten. Bis ein Rind „schlachtreif“ ist und als Stück Fleisch auf unserem Teller landet, werden ca. 4000 Liter Wasser benötigt. Für ein Kilo Mehlwürmer wird bis zum Verzehr ca. 1 Liter Wasser gerechnet.

Mehlwürmer könnten ohne Probleme in den eigenen vier Wänden „gezüchtet“ werden, Küchenabfälle finden eine nachhaltige Verwendung, Transportwege und damit Transportkosten fallen überhaupt nicht an, Massentierhaltung ist zwar in einem „Aufzuchtturm“ gegeben, aber wohl nicht mit Massentierhaltung bei Schweinen und Geflügel zu vergleichen.

Findet die Aufzucht noch in den eigenen vier Wänden statt, ist auch der Antibiotikaeinsatz nicht gegeben. Huhn, Schwein oder Rind würden sich die wenigsten von uns halten können, einen Mehlwurmzuchtturm schon. Damit wäre eine preiswerte und sichere Alternative für jede Person geboten. Zu gezüchteten Mehlwürmern hat der Mensch vermutlich keine große emotionale Bindung. Schockgefrieren beendet schnell das Dasein der Mehlwürmer.

Umdenken braucht Zeit. Auch wenn das Kriegsende schon lange her ist und wir wissen, dass viel zu viel Fleisch gegessen wird, steckt in uns noch der Gedanke – ich kann/wir können uns jeden Tag Fleisch leisten. Ob wir dies dann tun, ist eine andere Sache.

Wir wissen, dass wir mit unserer Erde nicht weiter so umgehen dürften. Der Regenwald verschwindet, der Klimawandel ist in vollem Gange, der fehlende Regen­wald hilft dazu. Der Ozonausstoß und die Gülleaus­bringung vieler Rinder ist ein Minusfaktor für den Klimawandel. Das Transportieren der Tiere von Land A nach B, um z. B. spanischen Schinken aus den polni­schen Schweinen werden zu lassen, ist einfach nur widersinnig. Insekten zu essen wäre Nachhaltigkeit pur, aber dieser Gedanke muss auch bei mir noch vom Verstand zum Können und Wollen wandern.

Hannelore Täufer

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Quelle: Alexandra_Bucurescu_pixelio.de