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Gottes Vielfalt - Lebensraum für alle Geschöpfe

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Das aktuelle Zwei-Jahres-Thema der Kirchlichen Umweltkonferenz in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern richtet ihr Augenmerk auf die biologische Artenvielfalt unseres Planeten bzw. deren erschreckenden Rückgang.

Anhand eines Zitates von Albert Einstein kann man dies verdeutlichen: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Am Beispiel der Wildbienen, zu denen auch die Wes­pen und Hummeln gehören, beobachten Forscher seit Jahren ein wachsendes Bienensterben. Die genauen Ursachen sind unbekannt, aber als Gründe gelten unter anderem der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, eintönige Landschaften und Monokulturen, Versiegeln von Flächen, fehlende Nah­rungsquellen, die zum Verlust des natürlichen Lebens­raumes der Tiere führen, und nicht zu vergessen Parasiten wie die Varroamilbe, welche aus Asien eingeführt wurde. 

Ein Beispiel für das Artensterben: In den Isarauen bei Dingolfing wurden 2006 58 Arten von Wildbienen gezählt (BUND Naturschutz). Im Jahr 2016 waren es nur noch 14, das bedeutet einen Rückgang um 75 Prozent!

Der Leiter des UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen), Achim Steiner, sagte dazu: „Der Mensch hat den Irrglauben entwickelt, der technische Fortschritt habe ihn im 21. Jahrhundert von der Natur unabhängig gemacht. Die Bienen zeigen, dass wir in einer Welt mit 8 Milliarden Menschen in Wahrheit viel mehr statt weniger von Dienstleistungen der Natur abhängig sind.“ Schätzungen zufolge werden von den 100 Pflanzenarten, die über 90 Prozent der Ernährung der Menschen sicherstellen, 71 von Bienen bestäubt. In Europa zählen dazu 84 Prozent der 4.000 Gemüsearten und 264 Getreidearten. Hierzulande bestäuben die Bienen rund 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen von der Karotte über die Tomate bis hin zum Klee. Das macht die Biene zu einem wichtigen Nutztier. Das Umweltbundesamt bewertet sie sogar als drittwichtigstes Nutztier nach Rind und Schwein.

Papst Franziskus äußert sich in seiner Enzyklika Laudato Sí in § 66: „Die Harmonie zwischen dem Schöpfer, der Menschheit und der gesamten Schöpfung wurde zerstört durch unsere Anmaßung, den Platz Gottes einzunehmen, da wir uns geweigert haben anzuerkennen, dass wir be­grenzte Ge­schöpfe sind. Diese Tatsache verfälschte auch den Auftrag, uns die Erde zu unterwerfen und sie zu bebauen und zu hüten. (Buch Genesis)“.

Der Hauptgrund für das Aussterben der Wildbienen ist die Vernichtung ihrer Lebensräume, ihrer Niststätten. Viele Arten sind angewiesen auf ausgedehnte Flugsandfelder und Binnendünen, offene Sand- und Kiesgruben, Böschungen, ungestörte Wald- und Feldränder, morsches Totholz etc. Alle diese Nistmöglich­keiten waren in früheren Zeiten in großer Ausdehnung und Zahl vorhanden, werden aber als unprofitabel oder schlicht „unschön“ angesehen und folglich „begrünt“, zugeschüttet, befestigt und asphaltiert, verbrannt, kompostiert.

Riesige baum- und strauchlose Agrarflächen und gigantische Erntemaschinen prägen das Bild der heuti­gen Landwirtschaft, Mineraldünger und Gülle steigern die Erträge, Wildbienen finden hier weder Nistplätze noch Nahrung. Einen großen Schaden hat die Flurbe­reinigung angerichtet. Die Folge war die Zerstörung unzähliger kleiner und unproduktiver Hecken, Wegränder, Böschungen, Gräben und Tümpel; alle diese Landschaftselemente sind bzw. waren wertvolle Niststätten.

Wald ist bekanntlich nicht gleich Wald - die an den Wald gebundenen Bienenarten benötigen naturnahe Wälder mit Saumbiotopen (sonnigen Lichtungen und Außenrändern) und Altholz, nur dort finden sie ihre Niststrukturen.

Restlos gepflegte öffentliche Grünflächen, das erwei­terte Wohnzimmer vor der Haustür, mag als öffent­lich präsentiertes grünes Schmuckstück gedacht sein – aber es ist ein naturfeindlicher Raum. Ein Wandel ist erst zu erwarten, wenn wir das Glück nicht in menschlicher, der Natur aufgezwungener Ordnung erblicken, sondern in der Natur selbst: in einem Naturgarten.

Deshalb sollte jeder (Hobby-)Gärtner und jede (Hobby-)Gärtnerin versuchen, bienenfreundliche Blu­men zu säen und sich an dem Gebrumm der Bienen und ihrer Artgenossen zu erfreuen in dem Wissen, zu ihrem Erhalt beigetragen zu haben.

Doris Wunder-Galliwoda, Mitglied in der Kirchlichen Umweltkonferenz / AEH-Projektleiterin Umweltarbeit

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Biene beim Sammelflug
Biene beim Sammelflug, Quelle: Bgelo777, CC BY-SA4.0