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Besinnung für Dezember

|   Besinnung

Wir treten in das letzte Jahr der Reformationsdekade ein, das Jubiläumsjahr, den Höhepunkt der Festlichkeiten zu 500 Jahre Reformation.

Das wird ein Jahr voller Feierlichkeiten, in der ganzen Welt, aber auch daheim in den Kirchengemeinden. Mit Gottesdiensten, Musik und Theater, mit Kirchentagen, realen Begegnungen und Begegnungen in der virtuellen Welt.

Die Bayerische Landeskirche gibt einen Reiseführer 2017 heraus, mit fast allen Angeboten, die wie in unserer Landeskirche erleben können. Das Jahr ist damit gut gefüllt, und diese Ereignisse bringen vielleicht ein neues Verständnis für das Anliegen der Reformation und deren Bedeutung auch heute noch.

Ein wichtiger Schritt für den Erfolg der Reformation war die Bibelübersetzung Martin Luthers, in der er in einem guten verständlichen Deutsch die Heilige Schrift und vor allem das Neue Testament den Menschen näherbrachte.

So ist es eine gute Idee, dieses Jubiläumsjahr mit einer neuen Bibelübersetzung zu beginnen. Wir können eine revidierte Lutherübersetzung erwerben, an der 70 Theologen und Theologinnen gearbeitet haben.

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde sie vorgestellt und wird am Reformationstag der Öffentlichkeit übergeben. 15.700 Verse sind neu übersetzt, teilweise wieder in der Formulierung von Luther, da man festgestellt hat, dass an seine Sprachkraft die neuen Übersetzungen nicht heranreichen.

Damit werden die modernen Übersetzungen nicht obsolet, „Bibel in einfacher Sprache“ oder auch die „Einheitsübersetzung“, die gemeinsam von evangelischen und katholischen Theologinnen und Theologen erarbeitet wurde. Die „Bibel in gerechter Sprache“, die vielen Frauen einen neuen Zugang zu biblischen Texten ermöglicht, sollte nicht zur Seite gestellt werden.
Wenn es Ihnen möglich ist, lesen Sie dich einmal einen Bibeltext in verschiedenen Übersetzungen. Sie werden sehen, dass dadurch neues Verständnis entstehen kann.

Friedrich Nietzsche sprach vor 130 Jahren von dem bisher besten deutschen Buch. Von dieser Aussage würde er auch heute nicht zurücktreten.

Auch für die Gebrüder Grimm begann die moderne deutsche Sprache mit Luther. Noch heute benutzen wie viele Redewendungen, die wir aus der Bibel übernommen haben, häufig ohne es zu wissen, dass sie aus der Bibel stammen. Es sind solche klaren und eingängigen Begriffe, dass sie gut ins Ohr gehen und als Bild uns vor Augen stehen.

Die Evangelische Kirche, oft als Kirche des Wortes bezeichnet, tut gut daran, sorgfältig mit dem Wort umzugehen, denn Sprache kann große Wirkung haben. Das merken wir gerade jetzt in der Advents-und Weihnachtszeit, wenn wir die gewohnten Lieder singen und Texte hören. Sprache hat etwas mit Heimat, mit Vertrautheit zu tun.

Daher ist für mich erst dann richtig Weihnachten, wenn ich die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium in der Sprache Luthers gehört habe. Manche Verse davon können viele von uns noch auswendig aufsagen, so vertraut ist uns der Text. Im Religions-oder Konfirmandenunterricht haben wir sie auswendig lernen müssen. Nicht immer zu unserer Freude. In manchen Familien ist es Brauch, dass der Vater, die Mutter oder ein Kind die Geschichte vor der Bescherung vorträgt.

Diese Geschichte würden wir heute sicher anders erzählen. Und doch versetzt sie uns durch die Art der Formulierung in eine Welt, in der Frieden möglich ist, trotz der Unsicherheit, der Krieg und Verfolgungen, damals und heute.

Gott ist in dies Welt gekommen und ich wünsche Ihnen, dass Sie seine Gegenwart spüren, nicht nur jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit, sondern jeden Tag in diesem Leben.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre
Inge Gehlert, Landesvorsitzende Bayern

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