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Besinnung für Februar 2015

|   Besinnung

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt.20,1-16

a) eröffnet am Sonntag Septuagesimä die Reihe der Evangelien im Monat Februar.

Jesus spricht vom Himmelreich. Das klingt zunächst so, als gäbe er uns den Blick frei in die jenseitige Welt. Und wer wüsste nicht gern, wie es ist, das Himmelreich, und was uns hier an der Erde klebenden Menschen womöglich im Himmel erwartet. Wenn er uns denn blüht.

Wenn Jesus vom Himmelreich spricht, dann klingt das zunächst gar nicht „himmlisch“, sondern ganz diesseitig irdisch. Von einem Hausvater erzählt er, der einen Weinberg besitzt. Der Weinberg ist groß, und er macht viel Arbeit. Wir kennen sie alle, diese Geschichte. Am Morgen geht der Weinbergbesitzer auf den Markt, wird mit einigen Arbeitern einig über einen Tageslohn und schickt sie zur Arbeit in seinen Weinberg. Dasselbe tut er mehrmals am Tag. Die letzten Arbeiter nimmt er sogar noch kurz vor Feierabend in Dienst. Am Abend wird entlohnt, und alle bekommen denselben Lohn, von denen, die zuerst kamen bis zu den letzten.

Klar, dass die, die den ganzen Tag gearbeitet haben, damit nicht zufrieden sind und sich beklagen. Haben sie nicht mehr gearbeitet als alle anderen, und haben sie damit nicht verdient, mehr zu bekommen?! Allen gleichen Lohn zu geben, das ist ungerecht!

Würden wir nicht dasselbe sagen, wenn sich ein Arbeitgeber heute so verhielte? Die Gewerkschaft würde sich zu Wort melden, und an den Stammtischen würde die Sache heiß diskutiert. Ja, sind wir in unserer Gesellschaft nicht längst mitten in dieser Diskussion, wenn es um die Berechnung und Höhe der Hartz IV- Leistungen geht, um die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen  und Asylbewerbern, um gerechte Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen?!

Im Gleichnis Jesu entlohnt der Weinbergbesitzer die Arbeiter nicht danach, was sie für ihn geleistet haben. Er entlohnt danach, was jeder einzelne von ihnen zum Leben braucht. Zwischen dem einen und dem anderen besteht ein himmelweiter Unterschied! Eben der Unterschied unserer Sicht von Gerechtigkeit, die nicht mehr gibt als einer verdient, und Gottes Gerechtigkeit, die will, dass der Mensch leben kann, seine Bedürftigkeit kennt und ihm das Leben ermöglicht, unabhängig von seiner Leistung und Leistungsfähigkeit.

Wenn Jesus in seinem Gleichnis von einem Weinberg spricht, dann wussten die Israeliten, dass es nicht nur um einen reichen Mann geht und seinen großzügigen Umgang mit seinem Geld. Von Gott spricht er und seinem Volk. Der Weinberg, das sind sie, die Menschen, die Gott liebt, sein Volk, dem Gott verbunden ist, zu dem auch wir durch Jesus gehören.

Und so sieht es im Reich Gottes aus: Gott lässt uns nicht nutzlos auf dem Markt des Lebens stehen. Er nimmt uns in Dienst für diese Welt. Da gibt es Arbeit genug für alle, und jeder, der sich rufen lässt, ist ihm recht. Er verlangt keine Vorbedingungen. Er sagt ja zu jedem, zu jeder, die kommt. Und am Ende, am Abend des Tages, bekommen alle den vollen Lohn. Nicht ein bisschen seiner Liebe, weil wir zu den Nachzüglern gehören, nein, auch für uns seine ganze Liebe; nicht ein bisschen Nachsicht, nein, die ganze Fülle seiner Gnade und Güte für alle, auch für die, die mit leeren Händen dastehen; nicht ein bisschen Leben, sondern für alle die volle Teilhabe an Gottes Leben in dieser und in der zukünftigen Welt.

Jesus malt uns dieses Bild vom Himmelreich nicht nur vor Augen, es ist mit ihm auch schon da, schon erfahrbar, in den Evangelien nachzulesen.

Lassen wir uns einstweilen in Dienst nehmen für die Welt Gottes und uns, so weit es uns möglich ist, an der Gerechtigkeit Gottes orientieren. Haben wir uns doch als gesellschaftliche und soziale Gemeinschaft verpflichtet, in unserer Mitte für die zu sorgen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht für sich selbst sorgen können. Wenn auch nicht so üppig wie der Hausvater im Gleichnis, so doch immerhin mit einer „Grundsicherung“ zum Leben. Das soll für alle gelten, die in unserem Gemeinwesen leben. Und auch im unserer Mitte gibt es die, die das ungerecht finden und sich darüber beklagen, sogar lautstark dagegen protestieren.

Bleiben wir dran. Morgen ist ein neuer Tag, und die Arbeit im Weinberg ist noch längst nicht getan.

 

Ulrike Börsch

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