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Besinnung für Oktober 2015

|   Besinnung

Bilder prägen sich uns ein. Manche brennen sich sogar ein, bleiben uns für immer im Gedächtnis. Auch im Glauben haben uns Bilder geprägt.

Im Anfang haben wir sie uns meist selbst ausgemalt, wenn uns die Geschichten der Bibel erzählt wurden. Da haben wir uns das Paradies in den schönsten Farben ausgemalt und den lieben Gott mittendrin. Die Arche Noah hat uns fasziniert mit all den Tieren, und wir haben darüber gestaunt, wie die da in dem engen Kasten zusammen sein können, alle Futter haben und sich nicht gegenseitig auffressen. Mit Maria und Joseph sind wir Weihnachten nach Bethlehem gezogen, haben uns über die bösen Wirte geärgert, die die beiden nicht aufnehmen wollten, und haben mit den Hirten und den Engeln und glänzenden Augen das Christkind begrüßt.

Später dann in der Schule hat man uns ein Religionsbuch in die Hand gedrückt, „Schild des Glaubens“ hieß unseres. Eine bebilderte Kinderbibel. Da waren die Bilder nicht mehr bunt. Holzschnittartige Zeichnungen kommentierten die biblischen Geschichten, und weil die Schilder des Glaubens Schuleigentum waren, durften wir die Bilder auch nicht bunt malen! So blieben diese kargen Schwarz-Weiß-Bilder im Gedächtnis haften. Ich sehe sie heute noch vor mir.

Im Konfirmandenunterricht bekamen wir schließlich die „richtige“ Bibel mit Altem und Neuem Testament, übersetzt von unserem Reformator Luther. Da waren nun alle Bilder verschwunden. Das reine Wort begegnete uns. Das galt es zu erforschen, zu verstehen und zu verinnerlichen. Zur Konfirmation suchte uns unser Pfarrer aus den vielen Worten ein Wort aus, das er uns als Konfirmationsspruch zusprach und als Orientierungshilfe auf den Weg ins Erwachsenenleben mitgab. Viele leben mit diesem Wort, sind in einem lebenslangen Dialog mit ihm. Aber die Bilder bleiben. Manche verblassen, neue kommen dazu. Bilder, denen wir in Kirchen und Museen begegnen. Altarbilder, Kirchenfenster, Bilder von Künstlern zu den biblischen Geschichten, die wir lieben und immer wieder ansehen : Den Isenheimer Altar, die Schnitzaltäre von Riemenschneider, die Bilder von Rembrandt, die Fenster von Chartres und Chagall, den Christus von Barlach, die Bilder zur Bibel von Nolde. Und es gibt sie auch im protestantischen Bereich wieder, die kostbaren, mit Bildern und Illustrationen ausgestatteten Bibeln für Erwachsene.

In diesem Jahr geht es in der Lutherdekade um unseren Umgang mit den Bildern. Die Reformatoren waren sich in diesem Punkt nicht einig. Die einen liefen Sturm gegen den Bilderkult der Kirche. Die Kirchen waren voll von Altären und Heiligenfiguren. Einen Altar zu stiften, Heiligenbilder, kostbare Gewänder für die Heiligen= und Marienfiguren, galt als frommes Werk und gewährte Sündenerlass. Dem sollte Einhalt geboten werden, besteht der Mensch vor Gott doch allein durch seinen Glauben an Christus und verbietet das 2. Gebot nach der Schrift nicht jede Art von Bildnis?! Also hingehen und das Gebot befolgen und alles aus der Kirche rauswerfen, was nach Gottes Wort nicht dahin gehört. Hat nicht Jesus auch die Händler und Schächer aus dem Tempel vertrieben?! 1522 war in Wittenberg die Hölle los und Luther inkognito als Junker Jörg auf der Wartburg damit beschäftigt, die Bibel zu übersetzen. Um das Schlimmste zu verhindern, eilte er nach Wittenberg und glättete von der Kanzel aus mit seinen Invokavit-Predigten wieder die Wellen. Seine Haltung im Bilderstreit war nicht so radikal. Verehrung der Bilder lehnte auch er strikt ab. Verehrung gebührt Gott und Jesus Christus allein. Bilder dienen auch nicht dem Heil des Menschen, das findet der Glaube in Christus. Die Bilder schaden aber auch nicht, sofern sie der Anschauung und Stärkung des Glaubens dienen. Also kann man die akzeptieren, die bibelgemäß sind, die die biblischen Texte erläutern und deuten.

Das Jahresthema der Lutherdekade rückt uns die Wittenberger Maler Lucas Cranach, Vater und Sohn, in den Blick, die intensiv mit den Wittenberger Reformatoren zusammengearbeitet und mit ihnen ein neues reformatorisches Bildprogramm entwickelt haben. In der Cranach-Malwerkstatt entstanden große Altarbilder, Illustrationen für die Lutherbibel und auch die Bilder, die wir von Luther kennen, die ihn als Mönch, als Junker Jörg, als Ehemann mit seiner Frau Katharina und als Reformator mit der Bibel zeigen. Viele von diesen Bildern sind in den diesjährigen Cranach-Ausstellungen zu sehen, die auch aus Anlass des 500. Geburtstags des Jüngeren am 4.Oktober an verschiedenen Orten gezeigt werden. Bei unserer Bundestagung werden wir uns mit der gesamten Bild-Thematik der Reformation und dem Wittenberger Cranach-Altar beschäftigen und mit unserem Zukunftsbild unserer Kirche.

 

Wir leben mit Bildern. Bilder prägen sich uns ein. Bilder legen uns aber auch fest. Deshalb ist es wichtig, sie immer wieder zu hinterfragen, gerade die Bilder unseres Glaubens, ihre festen Konturen aufzubrechen, vielleicht neue Farben aufzutragen und mutig die Bilder, die uns nichts mehr sagen, auszurangieren. Aber manchmal bekommt ein Bild, von dem der Staub entfernt wurde, der sich über die Jahrhunderte darauf abgesetzt hat, neue Strahlkraft auch für die Gegenwart und bleibt wichtig auch für die Zukunft.

 

Ulrike Börsch

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