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SPRUCH des MONATS Juli

|   Besinnung

Man muss über ewige Dinge schreiben um mit Sicherheit aktuell zu sein.

(Simone Weil, 1909 – 1943)

Seit Jahresbeginn fasziniert mich dieses Wort in seiner Antithetik und reizt mich zugleich, mir über „ewige Dinge“ endlich einmal klar zu werden. Es war für die erste Januarwoche in meinem Kalender „Kluge Frauenworte“ abgedruckt.

Nun, im Scheitel- und Höhepunkt des Jahres, gebe ich es denen als „Nuss“ zu knacken, die diese Besinnungsseite lesen ...

Mein Beitrag dazu ist dreigeteilt.
In unserer heutigen, also ganz „aktuellen“ Zeit jagen im Sekundentakt die Bilder der Spots unterschiedlichster Couleur über die Bildschirme. Mode- und sonstige Trends müssen „aktuell“ sein. Von den Tagesnachrichten ganz zu schweigen. Und, und, und ...

Warum schaue ich im Moment kaum noch TV, schaue lieber in mein Gartenstück und freue mich über die erste Brut der Amseln, über die dieses Jahr üppig sprießende Natur, über das langwährende Licht …

Empfinde also selbst die „wichtigsten“ politischen Ereignisse unserer Tage als eintagsfliegig (ja, so nenne ich sie).

Aus dem zwangsläufig sich ergebenden Bemühen, etwas über die Urheberin dieses „Wortes“ zu erfahren, die ja schon mit Anfang Dreißig starb, ergibt sich das folgende Bild: vor uns steht eine dem frühen Kommunismus des 20. Jahrhunderts nicht abgeneigte, als Kind schon hochbegabte Denkerin. Das Gewerkschaftsleben dieser Zeit versuchte sie mitzugestalten. Einer modernen Elisabeth von Thüringen gleich, lehnte sie kategorisch von ihr als „privilegiert“ empfundene Lebensumstände ab und aß beispielsweise nur Speise, die dem Sich-Leisten-Können der untersten Lohngruppe eines Arbeiters entsprach. Ihr jüdisches Elternhaus war unorthodox und weltläufig in der kulturellen Gebildetheit.

Durch ein geradezu mystisches Erweckungserlebnis zu Ende ihres Lebens kam sie einem Glauben nahe, den dieses Wort in seiner scheinbaren Widersprüchlichkeit zu umschreiben vermag.

Ein Originalzitat aus einem Brief vom Mai 1942 mag meinen Juli-Beitrag beenden:

Mai 1942: „Fällt man, in der Liebe bleibend, bis zu dem Punkt, wo man den Schrei ‚Mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘ nicht mehr zurückhalten kann, und verharrt man dann an diesem Punkt ohne zu lieben aufzuhören, so berührt man am Ende etwas, das nicht mehr Unglück ist, das auch nicht Freude, sondern das reine (…) innerste wesentliche Wesen ist und das die Liebe Gottes selbst ist.“

Dietlinde Peter
(Landesverband Niedersachsen)

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