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SPRUCH des MONATS März

|   Besinnung

Jesus spricht: „Es ist vollbracht!“

 

Johannesevangelium Kapitel 19,30

Wenn wir im Gesichtsausdruck des Verstorbenen lesen, er sei ganz friedlich eingeschlafen, empfinden wir das als kleinen Trost für die Hinterbliebenen. Wohl einem solchen Sterben!

Mir scheint, dieser Mensch habe im Sterben auf ein vollbrachtes Leben zurückgeschaut.  Man sagt ja, dass sich dann das ganze Leben noch einmal schnell vor einem abspult.  Sei es, dass ein ganz „normales“ Leben mit Kindern und Enkeln und Jahrzehnten im Beruf zu Ende ging. In unserer so plötzlich sich auch in den sozialen Bindungen so schnell wandelnden Zeit werden dennoch viele Varianten eines zufrieden machenden und deshalb gut „vollbrachten“ Lebens gelebt.  So habe ich zum Beispiel in meiner Verwandtschaft miterleben können, dass eine menschliche riesige Leistung dahinter steckt, wenn eine zur Patchwork-Familie gewordene Beziehung eben nicht auseinanderbricht, sondern als „Patchwork“ gelebt wird. Dies muss man erst mal vollbringen……

Ein großes Wort –dieses „Es ist vollbracht!“

Wir, von unserer menschlichen Warte aus, sprechen es aus in glücklichen Augenblicken, wo uns eine ganz wichtige Unternehmung, ein großes Projekt, eine riskante Operation, eine große Transaktion schließlich geglückt ist.  Und –wenn endlich in unseren Tagen, eine regierungsfähige Mannschaft für unser Land aufgestellt sein wird, könnte ich mir vorstellen, dass vor den laufenden Kameras sogar zu diesem
„Es ist vollbracht“ gegriffen werden wird……

Dies letzte Wort Jesu am Kreuz findet sich nur im Evangelium des Johannes. Er unterscheidet sich ohnehin in seiner Überlieferung von den drei anderen:
In der Kreuzigungssituation nichts von den gehässigen Anwürfen, die Vorbeigehenden und die offenbar anwesenden Vertreter des hohen Rates und der Priesterkaste an den schon am Kreuz Hängenden richten. Stattdessen sorgt Jesu für die Existenz seiner Mutter nach seinem Tod und vertraut sie seinem Lieblingsjünger an Sohnesstatt als „Mutter“ an. (19,26-27).

Johannes ist vor allem der Evangelist, der den größten Nachdruck darauf legt, dass sich im Erscheinen Jesu auf der Erde die prophetischen Aussagen des Alten Testamentes erfüllen. So lässt sich selbst das unmittelbar vorausgehende Wort „Mich dürstet!“ auf eine Stelle in Psalm 22 beziehen.

Im Bewusstsein der Bedeutung seines Sterbens als Opfertod für uns gibt Jesus eben mit diesen Worten sein Leben in die Hände des Vaters zurück.

Ein ungeheurer Bogen lässt sich spannen zu jenem vollbracht – gleich vollendet – bei Mose, indem Gott selber sein Schöpfungswerk wohlgefällig betrachtet und darüber sagt, es sei vollbracht und alles sei sehr gut. (1.Mose, 2/3)

Vollbracht ist der Schöpfungsvorgang dem Verständnis des Johannes gemäß erst vollständig durch die Sendung Jesu in unsere Welt. Sein Evangelium beginnt dann auch mit einmaligen, grandios vergeistigten Worten, wonach Jesus für alle Zeiten die Inkarnation der Liebe Gottes zu uns Menschen ist.

Wiederum und weiterhin erst endgültig vollendet durch die Auferstehung, ist Jesus zum „Christus“ – zum Erlöser- geworden.

So können und dürfen auch „unvollendete“ Leben auf diese Liebeszuwendung vertrauen. Sie ist durch den Evangelisten Johannes am menschlichsten und zugleich am vergeistigsten dargestellt.

Dietlinde Peter
(LV Niedersachsen)

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