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SPRUCH des MONATS Oktober

|   Besinnung

Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Psalm145,15

In vielen Gemeinden wird traditionell am 1. Sonntag im Oktober das Erntedankfest gefeiert. Gemeindemitglieder schmücken den Altar mit den Früchten von Garten und Feld. 

Aus meiner Kindheit im Ruhrgebiet kenne ich es, dass auf dem Altar auch ein Stück Kohle, Eisen und Glas aufgebaut war. Als Zeichen, dass die Menschen mit dieser Arbeit ihr Geld und ihr Brot verdienten.

Wir bringen unsere Gaben, unsere Lebensmittel in die Kirche um einmal innezuhalten in unserer normalen Konsumwelt, und Gott zu danken, der uns dieses Leben in Fülle ermöglicht. In den Supermärkten können wir fast jeden Tag alles kaufen, was wir zum Leben brauchen. Aus aller Welt werden Lebensmittel angeboten. Wir müssen uns auch nicht mehr anstrengen um zu kochen. Fertiggerichte und Tiefkühlkost ermöglichen angeblich eine gute Work-Life –Balance.

Und dann lesen wir, wieviel Lebensmittel jährlich weggeworfen werden, auch weggeworfen werden müssen, weil zu viel, weil falsch eingekauft wurde oder die Restaurants und Supermärkte die Ware am nächsten Tag nicht mehr anbieten dürfen.

Wir leben zum großen Teil im Überfluss, und doch gibt es die „Tafeln“ wo sich Menschen mit dem Notwendigen versorgen können. Sie leben vom Minimum und müssen schauen, wie sie mit Hartz IV auskommen. Sie leben nicht im Überfluss sondern müssen das nehmen, was in den Tafeln durch die Spenden angeboten wird.

In unserem Land muss niemand verhungern. In anderen Ländern der Welt sieht es durch Kriege und den Klimawandel anders aus. Da vernichten Trockenheit oder Regen, Wirbelstürme und Erdbeben die Ernte und machen ganze Landstriche unbewohnbar.

Gerade jetzt hat die Welthungerhilfe einen Bericht herausgegeben, dass es wieder mehr Tote, gerade Kinder, durch Hungersnöte gibt, weil die Verteilung der Lebensmittel nicht klappt. Und die Industriestaaten auch nicht die Mittel zur Verfügung stellen, die sie zugesagt haben.

In den Fernsehbildern können wir manchmal sehen, mit welchen erwartungsvollen Augen die Menschen die Hilfslieferungen in den Flüchtlingslagern erwarten und hoffen, dass es für alle reichen wird. Für diese Menschen, die häufig alles verloren haben, ist es nicht selbstverständlich, satt zu werden.

Die Älteren von uns, die selbst nach dem 2. Weltkrieg Flüchtlinge waren, können sich noch an die Zeit erinnern, wie es ist, wenn man auf Unterstützung und Hilfe angewiesen ist.

Für die Jüngeren unter uns ist diese Zeit ganz weit weg. Da ist es gut, dass das Erntedankfest häufig als Familiengottesdienst gefeiert wird, damit auch die Kinder und Jugendlichen sehen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass eine Ernte gut ausfällt. Auch bei uns ist die Natur nicht berechenbar, und wir müssen auch hier auf die Bewahrung der Schöpfung achten.

Gott hat uns diese Welt gegeben, dass wir sie zu unserem Wohl, aber auch zum Wohl der nachfolgenden Generationen nutzen. Auf unser Konsumverhalten kommt es an.  Daran wollen wir uns am Erntedankfest erinnern lassen und unser Verhalten das ganze Jahr danach richten.

Schließen möchte ich mit einem Gebet aus dem 4. Jahrhundert:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände,

um seine Arbeit heute zu tun.

Er hat keine Füße, nur unsere Füße,

um Menschen auf seinen Weg zu führen.

Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen,

um Menschen von ihm zu erzählen.

Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe,

um Menschen an seine Seite zu bringen.

Amen

 

Inge Gehlert    

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Kirche mit Erntedankaltar
Foto: ahu81/pixelio.de