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Ich brauche Hilfe. Wer hilft mir?

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Interview von Johanna Ittner mit Andrea Schmidt

Diese Überschrift konnte im Heft 3 des Jahrgangs 2017 im „def aktuell“ schon einmal gelesen werden. Mein Lebenswerk war und ist Hauswirtschaft. Hauswirtschaft in allen Facetten. Hauswirtschaftliche Dienste sind im Alter in den unterschiedlichsten Bereichen, in verschiedener Intensität überall notwendig, ob im stationären oder ambulanten Bereich oder in der Familie…

Der Bedarf ist schleichend: nicht mehr knien, nicht mehr bücken, nicht mehr eine Leiter hoch steigen, nicht mehr tragen können; das Sehen, das Hören lassen nach, und auch das Gedächtnis spielt gar manchen Streich.

In Pflegestützpunkten, und nicht nur dort, kann man sich nach Hilfen im Haushalt erkundigen; die Wohl-fahrtsverbände Rotes Kreuz, Diakonie, Caritas, AWO u.a. werden genannt. In Schwabach gibt es seit über 45 Jahren den eingetragenen Verein „Familien- und Altenhilfe“. Das nachfolgende Interview führte ich mit der Geschäftsführerin Andrea Schmidt; sie ist seit 15 Jahren im Gesundheitswesen tätig.

Interview von Johanna Ittner mit Andrea Schmidt

Johanna Ittner: Frau Schmidt, Sie sind die Geschäftsführerin der Familien- und Altenhilfe. Für wie viele Personen tragen sie im Arbeitsbereich „Altenarbeit“ Verantwortung? Bitte differenzieren Sie auch Pflege - Hauswirtschaft – Betreuung.

Andrea Schmidt: Es sind 35 Mitarbeiterinnen: 25 in der Pflege, sechs in der Hauswirtschaft, vier in der Betreuung.

Johanna Ittner: Ihnen ist bekannt, dass dem Bereich Hauswirtschaft mein Interesse gilt. Welche Arbeiten werden von Ihren Mitarbeiterinnen ausgeführt?

Andrea Schmidt: Reinigung der Wohnung, Fenster und Türen, der Einrichtungsgegenstände, Sanitärbereich, Wäschepflege (wenn dies nach Zeitkontingent möglich ist). Nahrungszubereitung ja - für Privatkunden, bei Kunden der Pflegeversicherung gehört dieser Bereich zur Pflege.

Johanna Ittner: Welche Vorkenntnisse bringen die Frauen für ihre Tätigkeit mit? Sind sie Fachkräfte, Hausfrauen/Familienfrauen oder angelernte Frauen aus anderen Berufen?

Andrea Schmidt: Keine geprüften Hauswirtschafterinnen, angelernte Frauen aus anderen Berufen, Familienfrauen.

Johanna Ittner: Wer arbeitet die Frauen ein, wenn diese neu anfangen oder wenn ein neuer Arbeitsplatz zu besetzen ist?

Andrea Schmidt: Neue Kräfte hospitieren bei bewährten Mitarbeiterinnen.

Johanna Ittner: Sind bei Ihnen Frauen mit Migrationshintergrund beschäftigt? Wenn ja, wo werden diese eingesetzt?

Andrea Schmidt: Zufriedenstellender Einsatz im Reinigungsbereich.

Johanna Ittner: Wie viele Stunden arbeiten die Frauen pro Tag, pro Woche, an gleichen oder unterschiedlichen Arbeitsplätzen?

Andrea Schmidt: Alle Frauen sind Teilzeit beschäftigt, in der Regel mit 20 Stunden pro Woche. Am Tag werden von einer Mitarbeiterin ungefähr drei Haushalte angefahren.

Johanna Ittner: Haben Sie derzeit auch Männer als Mitarbeiter, oder hatten Sie schon einmal Männer? Welche Erfahrungen machten Sie damit?

Andrea Schmidt: Im Hauswirtschaftsbereich wurden noch nie Männer beschäftigt. Der Haushalt ist Intimbereich, wo Männer von älteren Frauen häufig abgelehnt werden.

Johanna Ittner: An wen können sich Ihre Mitarbeiterinnen wenden, wenn spezielle Probleme auftauchen: Silberfischchen im Bad, Schimmel an der Duschwand, oder welche Beleuchtungskörper wofür, der Teppich als Stolperfalle?

Andrea Schmidt: An die Pflegedienstleitung.

Johanna Ittner: Gibt es Fort- oder Weiterbildungsangebote, im Umgang mit dementen Menschen - mit körperbehinderten Menschen, mit seelisch kranken Menschen oder über neue Hygieneverordnungen?

Andrea Schmidt: Selbstverständlich gibt es individuelle Einweisungen, wenn dies erforderlich ist. Im Bereich Hygiene und Demenz finden für alle Mitarbeiterinnen regelmäßig Schulungen statt.

Johanna Ittner: Wie sind derzeit Angebot und Nachfrage?

Andrea Schmidt: Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem.

Johanna Ittner: Was bezahlt eine Privatperson für hauswirtschaftliche Dienstleistungen, wenn sie sich bei der Familien- und Altenhilfe eine Person zur Beschäftigung im Haushalt vermitteln lässt? Dabei wird davon ausgegangen, dass hier alle gesetzlichen Vorschriften von Arbeitgeberseite eingehalten werden. Wie ist das Prozedere?

Andrea Schmidt: Der Kunde oder ein Angehöriger ruft an und gibt seinen Bedarf in Stundenkontigenten an. Ein Kostenvoranschlag wird erstellt. Dabei wird ein Zeitfenster erstellt. Abwesenheit des Kunden durch Urlaub oder Krankheit muss nicht bezahlt werden. Im ambulanten Leistungskatalog sind die Preise für hauswirtschaftliche Kräfte verhandelt. Diese betragen derzeit 22,08 Euro pro Stunde. Eine hohe Summe: 2 Std. x 1 pro Woche sind im Monat 88,32 Euro + 4 x Fahrtkosten zu je 4,32 Euro ergibt 105,06 Euro, eine Menge Geld von einer kleinen Rente.

Wir diskutieren derzeit all überall über die Altersarmut von Frauen. Bei diesem Arbeitgeber sind die Frauen sozialversichert, haftpflichtversichert, es wird Arbeitssicherheit gewährleistet (das Auto ist stets betriebsbereit) und Urlaubsgeld und Krankengeld bezahlt - damit haben die relativ hohen Kosten ihre Berechtigung.

Johanna Ittner: Aber nun ist die Rente sehr gering und dennoch müssen Hausarbeiten verrichtet werden? Hilfe - wer hilft mir?

Andrea Schmidt: Hier ist eine große Lücke…

Johanna Ittner: Kinder können aus verschiedenen Gründen nicht helfen, Nachbarn wollen nicht putzen, und ob Netzwerke in Zukunft greifen, kann niemand sagen. Gibt es Gelder aus der Krankenversicherung oder Pflegeversicherung? Welche Voraussetzungen sind dafür erforderlich?

Andrea Schmidt: Die Krankenversicherung bezahlt vier Wochen eine hauswirtschaftliche Hilfe nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn dies erforderlich ist.

Johanna Ittner: Im Pflegestärkungsgesetz werden „Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz“ genannt. Wer ist darunter zu verstehen?

Andrea Schmidt: Demenzkranke Personen, Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden, und Frauen und Männer, die in eine Pflegestufe eingruppiert sind. Diese erhalten im Monat 125 Euro für Grundpflege (in Pflegegrad 1) oder Betreuung oder hauswirtschaftliche Dienstleistung.

Johanna Ittner: Gibt es nach dem neuen Pflegestärkungsgesetz eine Verbesserung für den Bereich Hauswirtschaft?

Andrea Schmidt: Insgesamt haben mehr Menschen, die durch den MDK eingestuft werden, über die 125 Euro eine Möglichkeit, diese für die Hauswirtschaft einzusetzen. Bei der Beurteilung des MDK darüber, was der Versicherte noch alles machen kann, wird zwar die Hauswirtschaft mit abgefragt, jedoch wird das Ergebnis nicht für die Bewertung bei der Pflegegradeinstufung berücksichtigt.

Johanna Ittner: Aber was tun, wenn ein armer Mensch kein Pflegefall ist, sondern nur alt und gebrechlich?

Danke, Frau Schmidt, für das Interview.

Johanna Ittner, Schwabach

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Andrea Schmidt, Betriebswirtin Dipl. FH