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Nachdenken über Werte und Normen

|   Aktuelles

Gesellschaften sind immer im Wandel. Ausdruck dieses Wandels ist die Veränderung der jeweils gültigen Werte und Normen. Was sind Werte und Normen? Wo hat die Tradition ihren Platz? Wie kommen wir zu den Werten und Normen? Wann werden diese bei jedem einzelnen Menschen angelegt? Wie weit können sie bei jedem einzelnen Menschen im Laufe des Lebens verändert werden? Was kann/muss der einzelne Mensch tun, um mit den eigenen Werte und Normen in einer Gesellschaft klar zu kommen?

Beginnen wir ganz vorne – was sind Werte und Normen? Kluge Köpfe im Bereich der Philosophie, der Psychologie, der Theologie, der Soziologie finden seit Jahrhunderten für Werte und Normen verschiedene Deutungen und Modelle zum Klären, was Werte und Normen konkret sind. Erich Fromm differenziert in seiner Gesellschaftskritik grundsätzlich zwischen „idealistischen“ und „materialistischen“ Wertanschau­ungen. Dabei geht es ihm um die Alternative einer Bereicherung durch äußere Güter oder menschlichen Qualitäten. Von Hermann Lotze wird der Terminus „Wert“ im Sinne eines „von den Menschen gefühls­mäßig als übergeordnet Anerkannten, zu dem man sich anschauend, anerkennend, verehrend, strebend verhalten kann“ gebraucht. 1966 erklärte Jean Piaget in seiner Forschung über Kognitionsentwicklung, dass das im Kindheitsstadium erworbene formale Denken eine später affektiv begleitende Voraussetzung sei, um zur Planung von Lebensentwürfen im Erwach­senenalter die „mit Zukunftsprojekten verbundenen Werte“ passend strukturieren zu können“ (Quelle: Wikipedia).

Wir Menschen brauchen Beispiele, um Begriffe zu ver­deutlichen. Grundsätzlich sind wir uns einig, dass die Gesellschaft die Verantwortung zur Erhaltung unserer Erde für die nächsten Generationen als Wert aner­kennt. Die Umsetzung erfolgt in bestehenden Normen (hier Gesetzen) mit unterschiedlichem Erfolg. Jede einzelne Person, als Teil einer Gesellschaft, hat indivi­duelle Werte (z.B. bewusstes nachhaltiges Handeln), das sich als Norm/Regel (hier „bewusste Mülltren­nung“) ausdrückt.

In der Hauswirtschaft können Werte und Normen ganz nebenbei verwirklicht werden. Der „Wert“ Gesunde Ernährung kann mit solidem hauswirtschaftlichen Wissen und Können bei der Herstellung der Gerichte umgesetzt werden. Planvolles Einkaufen, damit mög­lichst wenig Abfall entsteht, passt zu dem „Wert“ Nachhaltigkeit und ökologisches Handeln und Um­weltbewusstsein. Gleiches gilt für den bewussten Einsatz bei Reinigungsmitteln, Waschmitteln, Mitteln zur Körperpflege oder auch Einsatz von Dünge­mitteln für Zimmerpflanzen und im Gartenbereich. Eine sinnvolle Wertsteigerung wäre, wenn es Norm wäre, dass auch in den Grundschulen hauswirtschaft­liches Arbeiten konkret als Unterricht geplant wäre. Leider hat dies in den letzten Jahren nicht stattge­funden, eher das Gegenteil war der Fall.

Die gesellschaftlichen Werte, z.B. Schutz des Eigen­tums, Schutz der Person, Bewahrung der Schöpfung werden grundsätzlich immer bleiben. Die Normen, damit der Wert erreicht wird, erfahren immer wieder Änderungen. Unsere persönlichen Einstellungen ver­ändern sich. Hier fällt mir das Beispiel Tracht ein. Vor 100 Jahren war das Tragen der Tracht noch Norm. So konnte einer Person sofort die Herkunft (Land) und der Stand (ledig/verheiratet) zugeordnet werden. Junge Menschen kleiden sich wieder gerne in Dirndl und Lederhose. Die gewesene Symbolkraft interessiert sie nicht. Fest steht: Nachdenken über die eigenen Werte und Normen macht immer Sinn.

Hannelore Täufer,
AEH-Arbeitskreis Gesellschaftspolitik

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