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SPRUCH des Monats Januar

|   Besinnung

Jahreslosung 2019

 

Suche Frieden und jage ihm nach!

Ps 34, 15

Der russische Schriftsteller Marschak beobachtete einmal kleine Kinder beim Spielen. „Was spielt ihr da?“ fragte er sie. „Wir spielen Krieg“, antworteten die Kinder. „Aber Kinder, wisst ihr nicht, wie schlimm Krieg ist? Ihr solltet lieber Frieden spielen.“ „Mmh, ja, eine gute Idee!“ meinten die Kinder. Dann Schweigen, Tuscheln, wieder Schweigen. Da trat ein Kind vor und fragte: “Großväterchen, wie spielt man Frieden?“

Ja, wie geht das: Frieden spielen?

Meine Generation müsste das eigentlich wissen. Mit meinen über 60 Jahren habe ich in Deutschland noch keinen Krieg erlebt. Blutige Aus­einandersetzungen und Kriege gab und gibt es natürlich viele auf der Welt – allerdings meist weit entfernt – oder doch nicht so weit weg?

Das kleine syrische Flüchtlingsmädchen Shaza würde wohl genauso fragen wie die Kinder in der Geschichte: „Wie spielt man Frieden?“ Tatsächlich hat sie in ihrem bisherigen Leben nur Krieg erlebt; wie sich Frieden anfühlt, weiß sie nicht. Und so geht es Tausenden Kindern in vielen Ländern unserer Erde. Sie spielen Krieg, weil sie in ihrem Alltag nichts anderes kennengelernt haben. Ein unerträglicher Skandal!

Suche Frieden und jage ihm nach! So fordert der Psalmbeter die Menschen seiner Zeit auf. Den Frieden „suchen“, dem Frieden „nach­jagen“: Allein die Worte zeigen schon, dass Frieden ganz und gar nichts Selbstverständliches ist, sondern etwas, um das man sich mit aller Kraft und immer wieder neu bemühen muss. Das gilt für Machthaber und Politiker, die verantwortlich sind für Völker und Staaten; „dem Frieden nachjagen“, das gilt aber auch für einen jeden von uns. Jeder hat schon erfahren, wie brüchig der Familienfrieden sein kann oder der Frieden zwischen Freunden oder Arbeitskollegen, wenn unterschiedliche Mei­nungen oder Interessen aufeinanderprallen. Wie oft herrscht da Neid und Unverständnis und man geht in Streit und Unversöhnlichkeit aus­einander, weil keiner nachgeben möchte und keiner dem anderen richtig zuhört.

„Wie gern würde ich wieder mal mit meiner Tochter reden, aber sie will keinen Kontakt mehr“, erzählte mir neulich eine Frau aus der Gemeinde. „Und meine Enkelkinder habe ich auch schon so lange nicht mehr ge­sehen.“ Was der Grund für das Zerwürfnis war, konnte sie mir gar nicht richtig erklären, jede hätte wohl ihren Teil dazu beigetragen. Sie schaute mich resigniert an und man merkte ihr an, wie sehr sie unter der Situation leidet.

„Frieden suchen!“ – gar nicht so einfach. Ein Friedensstifter zu werden, so wie Jesus ihn seligpreist – ein Ziel, für das sich jeder von uns mit all seinen Möglichkeiten einsetzen sollte, wohl wissend, dass wir die Hilfe Gottes dazu brauchen. Denn Frieden im Sinne des Wortes Schalom bedeutet nicht nur Abwesenheit von Streit oder Krieg. Der hebräische Begriff meint Heilsein im umfassenden Sinn, die Befreiung von Sünde und Schuld, ein gelungenes Leben in Harmonie und Gemeinschaft mit Gott und allen Mitgeschöpfen. Diesen Frieden werden wir sicher nicht aus eigener Kraft schaffen können. Deshalb ist es so aktuell wie eh und je, wenn wir in jedem Gottesdienst singen und beten:

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.

Wir brauchen Gottes Hilfe, damit der Frieden überall auf der Welt erfahr­bar wird, jeder kann aber auch das Seine dazu beitragen: durch Bereit­schaft zur Versöhnung, durch Toleranz und Güte, durch Verzicht oder kurz gesagt durch gelebte Nächstenliebe.

Dann muss vielleicht niemand mehr fragen: „Wie spielt man Frieden?“

Elke Thein,
Medienkreis Bayreuth

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Kreuz mit Taube
Quelle: Dietrich_Schneider_pixelio.de