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SPRUCH des MONATS Juni

|   Besinnung

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

 

(Apostelgeschichte 5,29)

 

Noch ist die Gemeinde Jesu klein und auf Jerusalem beschränkt. Aber schon wird die Botschaft von seinem Wirken und seinen Gedanken als brisant und gefährlich eingestuft. Die herrschenden Vertreter des jüdischen Glaubens im Jüdischen Rat waren, wie es in einem der vorangehenden Verse (V.17) heißt, neidisch auf den Erfolg der Apostel geworden, der sich nicht zuletzt auch auf ihre eigenen Wundertaten stützte, die sie im Vertrauen auf die Geistkraft wirkten. Auch lehrten sie in der Gewissheit ihrer Nachfolge Jesu und betrachteten sich als vom Heiligen Geist erfüllte erste Zeugen.

Mit Unerschrockenheit hält Petrus daher den versammelten Schriftgelehrten, Priestern und angesehenen weltlichen Abgeordneten (aus diesen bestand der jüdische Rat) dies Wort entgegen. Es spricht auch noch heute zu uns vom Gehorsam gegen Gott und stellt den höher als den Gehorsam gegen Menschenmacht.

Und Petrus belässt es nicht bei dieser Aussage. Er hält seinen Volksvertretern vor, Jesus als „Bringer des Lebens“ und „Retter der Menschen“ verkannt zu haben und damit die Chance vertan zu haben, selbst entsündigt und erlöst zu werden (V.30-31).

Dies ist für jene natürlich starker Tobak und der Tod wäre der christlichen Schar sicher gewesen, wenn nicht Ratsmitglied Gamaliel mit seinem Eintreten für das Wirken der Apostel auch uns eine „Antwort“ und sogar eine Deutung des Petruswortes geliefert hätte (V.35-39):

Wenn alles, was die Apostel tun und lehren, nur von Menschen komme, löse sich alles auch bald wieder von selbst auf. „Kommt es aber von Gott, so könnt ihr nichts gegen sie machen“. Dieser Gedanke ist so überzeugend, dass die Apostel freikommen. Allerdings wird ihnen für ihren Verstoß gegen die Ordnung noch die entsprechende Strafe zuteil, die Auspeitschung (V.40).

Unbeirrt lehren sie nun Tag für Tag (V.42). Was aus ihrem anfänglichen Wirken geworden ist, erleben wir im Glauben und in institutionalisierter Form seit 2000 Jahren. So viel zum biblischen Zusammenhang des Petruswortes.

Angefangen hat dieses „Gott mehr gehorchen als den Menschen“ nicht erst mit Christus selber und danach mit Vielen, Vielen. Menschen, die uns als Märtyrer gelten, sind ja nur deshalb durch Not, Pein und grässliche Todesarten gegangen, weil sie sich in ihrem Mensch-Sein und zutiefst menschlichen Handeln unter diese höchste Macht stellten, die jenseits unserer Vernunft und Gesetzgebung zu finden ist.

Am schönsten hat der griechische Dramatiker Sophokles seine Antigone nach dem gleichen Leitstern handeln lassen, wenn sie sich dem gesetzlichen Verbot des diktatorischen Herrschers widersetzt und dem willkürlichen zum Staatsfeind erklärten Bruder ebenfalls die Begräbnisriten zuteilwerden lässt. Sie sagt: „So groß schien dein Befehl mir nicht, der sterbliche, dass er die ungeschriebnen Gottgebote konnte übertreffen. Sie stammen nicht von heute oder gestern. Sie leben immer, keiner weiss, seit wann.“

Von ganz anderer Seite kommt in diesen Worten eine schlüssige deutende Ergänzung zum Petruswort hinzu.

Dietlinde Peter
(Landesverband Niedersachsen)

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St. Cyriakus, Gernrode; Blick auf die teilte Orgel