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SPRUCH des Monats September

|   Besinnung

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Matthäus 18,3 (L)

 

Diese Zeile ist nur ein kurzes Zitat aus einer längeren Erzählung. Die Jünger fragen Jesus, wer denn der Größte im Himmelreich sei. Wer kennt das nicht, diesen Wettstreit, wer der Größte ist, die Schönste, wer am schnellsten rennen kann oder noch vieles andere.

Auch die Jünger Jesu waren da ganz normale Menschen. Natürlich standen sie auch in Konkurrenz untereinander; wer Jesus am besten verstehen würde, wem er am meisten vertraute, wen er am liebsten hatte. Diese Fragen beschäftigten sie auf ihren langen Wegen und natürlich auch die Frage, wie es denn im Himmelreich sein würde.

Das Himmelreich, das Paradies, der Garten Eden, wo die Menschen wunschlos glücklich sein werden. Wo es keinen Krieg, keinen Neid, keinen Hass mehr gibt. Gibt es dort auch Rangfolgen? Haben die Erzväter Israels einen besonderen Platz? Und welchen Platz würden sie, die Jünger, einnehmen? Auf diese Frage antwortet Jesu, indem ein Kind in die Mitte stellt und dieses Kind als Beispiel wählt für einen Menschen, der höchstwahrscheinlich ins Himmelreich kommt.

Die Jünger, und damit wir, sollen werden wie die Kinder. Manchmal sagt man von den älteren Menschen, dass sie wieder wie Kinder werden. Das meint Jesus aber nicht. Die Jünger sind relativ junge Menschen, die annehmen, durch ihre Fähigkeiten und ihr Zusammensein mit Jesus eine gewisse Macht und Einfluss zu haben. Und damit glauben sie, auf der sicheren Seite Richtung Himmelreich zu sein.

Und da stellt Jesus ein Kind in ihre Mitte. Keinen mächtigen Politiker, keinen Rabbi oder Pharisäer, nein ein Kind! Und wir sollen uns verhalten wie ein Kind. Wir sollen umkehren, also Buße tun, indem wir uns zu Gott, zum Vater, hinwenden. Denn das tun Kinder. Sie vertrauen ihren Eltern. Kinder sind spontan, offen und ehrlich. Sie können ganz versunken in ihr Spiel sein, sind aber auch schnell gelangweilt und lassen sich leicht ablenken.

Ein Kind weiß aber auch, dass es nicht alles alleine kann. Es lässt sich die Fürsorge gefallen, weil es den Eltern, dem Vater und der Mutter, vertraut. Das Kind wird von seinen Eltern geliebt, so wie es ist. Es muss sich nicht verstellen. Und daher kann es auch die Fürsorge für seine Person zulassen. Es ist auf diese Zuwendung angewiesen, aber es wächst auch gegenseitiges Vertrauen. Die Eltern trauen auch dem Kind etwas zu, so wie auch Gott uns sein Vertrauen schenkt. Gott will unser Gegenüber sein. Gott hält uns nicht in Unmündigkeit. Er macht uns nicht klein, sondern wendet sich uns zu. Daher kann ich zu ihm aufblicken und das kommende Himmelreich als Geschenk von ihm annehmen.

Über das Himmelreich selbst sagt Jesus hier gar nichts. Aber wir spüren, dass Macht und Rang hier keine Rolle spielen. Einzig unser Vertrauen zu Gott, seine Hinwendung zu uns Menschen lässt das Himmelreich schon hier auf Erden erahnen. Angenommen sein, so wie ich bin. Von diesem Geschenk her kann ich leben und anderen von diesem Gott erzählen.

Inge Gehlert, Aschaffenburg
Mitglied im Bundesvorstand

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bemalte Kinderhände
Bild: Tobias Sellmaier / pixelio.de