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Ein wunderbares Tandem: 40 Jahre Zusammenarbeit des DEF Landesverbandes Niedersachsen mit dem Internationalen Haus Sonnenberg

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Seit 40 Jahren veranstaltet das Internationale Haus Sonnenberg im Harz gemeinsam mit dem DEF Landes­verband Niedersachsen Tagungen zu gesellschafts­politischen Aspekten. Ein schöner Anlass, einmal auf die hier geleistete Arbeit zurückzuschauen. Beein­druckend, geradezu faszinierend ist die Tatsache, dass dem Landesverband Niedersachsen damit die praktische Umsetzung von dem gelang, was die Grün­derinnen des DEF zu Beginn des 20. Jahrhunderts begonnen hatten, oft mühsam und in kleinen Schritten erkämpfen mussten, nämlich die in wech­selseitiger, sich ergänzender und befruchtender, der gemeinsamen Sache dienender Zusammenarbeit die Tagungen vorzubereiten und dann durchzuführen. In gegenseitigem Respekt und mit großer Offenheit wurde im Rahmen der vorgegebenen Richtlinien den besonderen Wünschen des DEF entsprochen, und so ergab sich eine ‚konstante Beziehung‘ – wie es der Leiter des Hauses Sonnenberg, Fritz Eitel, schon 1998 konstatierte, die sich bis heute durchzieht.

Initiatorin war Ilsa Reinhardt (1911-2010), die in ihrem Grußwort für die vor zehn Jahren vorgelegte Doku­mentation ‚Zum Geleit‘ aus Anlass des 30-jährigen Bestehens  auf die Anfänge schaute. Sie schrieb:

Im Jahr 1945 endete der schreckliche Zweite Weltkrieg. In der Zeit danach konnte erst langsam, mit Hilfe der Alliierten, wieder Ordnung im Land einkehren. So wurde Anfang des Jahres 1947 das Land Niedersachsen zu­sammengefügt. Der Landtag wurde gewählt.

Neben den traditionellen Ausschüssen folgte etwa 1952 ein weiterer Ausschuss für ‚Jugendpflege, Jugendfür­sorge und Sport‘. Ich wurde als Vorsitzende gewählt und erlebte auf diese Weise in nächster Nähe den Inter­nationalen Arbeitskreis Sonnenberg.

Nach meinem Ausscheiden aus dem Landtag 1974 habe ich dann den Vorstandssitz im Arbeitskreis Sonnenberg angenommen. Die Zusammenarbeit mit den Nachbar­ländern, insbesondere Dänemark mit seiner alten Tradition der Heimvolkshochschulen, hat mir sehr gehol­fen. So konnte ich dann 1977 – ohne Schwierigkeiten – selbst ein Seminar mit dem Deutschen Evangelischen Frauenbund planen. Es war durchaus ein Wagnis und wurde doch so gut angenommen, wie sich bis heute zeigt.

Bis 1983 leitete Ilsa Reinhardt, die aus ihrer langjähri­gen parlamentarischen Arbeit hervorragende Erfah­rungen einbringen konnte, die Seminare. Dann übernahm bis 1998 die Landesverbandsvorsitzende Hanna Grosse aus Hameln die Leitung. Sie führte 1999 Elke Simon aus Wolfenbüttel in die Arbeit ein, die diese dann bis 2007 in eigener Regie und harmo­nischer Zusammenarbeit mit dem Sonnenberg weiter­führte. Heute plant und leitet Ursula Kalisch, Vor­sitzende des Ortsverbandes Sarstedt, die Tagungen zusammen mit dem Haus Sonnenberg.

Die Themenvielfalt der Seminare ist beeindruckend: die Welt der Arbeit, die soziale Situation in Deutsch­land und seinen Nachbarländern, die Auswirkung der Globalisierung, Umweltprobleme, Technischer Fort­schritt und seine möglichen Gefahren, Werte und Wertewandel in unserer Gesellschaft und bei unseren Nachbarn in Europa ,die Probleme der Migration und die Herausforderungen, die sich daraus ergeben, und die eng damit verbundene Frage nach der eigenen Identität – um nur einige zu nennen.

Oft wurden Ausflüge in die Umgebung unternommen, kulturell bedeutende Stätten besichtigt, Arbeitsplätze vorrangig für Frauen besucht, um sich über ihren Lebensalltag auszutauschen. Wichtig waren auch die Begegnungen mit anderen Gruppen, die auf dem Sonnenberg tagten und zu wechselseitigem Gedan­kenaustausch sowohl zwischen den Generationen als auch mit ausländischen Besuchern führten. Das schön inmitten des Harzes gelegene Haus lockte auch immer wieder zu herrlichen Wanderungen.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die morgendlichen Andachten, die sonst auf dem Sonnenberg nicht üb­lich, doch vom DEF über all die Jahre von einem teil­nehmenden Mitglied gehalten wurden. Eine Perlenkette mit vielen, sehr unterschiedlichen kostbaren Perlen, nannte Hanna Grosse sie in ihrem Rückblick. Da kamen zwar auch Profis zu Wort, aber – auch dies eine schöne protestantische Gepflogenheit – ebenso pure Laien, die dann oft eindrucksvolle Andachten vortrugen.

In diesem Jahr soll auf die vier Jahrzehnte der Zusam­menarbeit zurückgeblickt, über Erreichtes und noch immer Defizitäres nachgedacht, auf veränderte Männer- und Frauenbilder und die gesellschaftlichen Vorgaben geschaut werden. Ein Blick wird auf Frauen der Bibel geworfen und auf einzelne Persönlichkeiten aus Nieder­sachsen geschaut werden. Dabei wird vorrangig an DEF-Mitglieder, aber auch an andere erinnert werden, die sich um verbesserte Frauenbildung und -aus­bildung kümmerten, die die erweiterten beruflichen Betätigungsfelder förderten und die rechtliche Gleichstellung forderten. Es erstaunt immer wieder, welch weitgespannte Netzwerke aus alter und neuerer Zeit auszumachen sind. Sie unter­hielten untereinander mannigfache und oft rege Kontakte, trafen sich auf Tagungen und Konferenzen; und allen lag die Verbesserung der Lage der Frau am Herzen. Solchen Verflechtungen nachzuspüren eröffnet spannende Perspektiven und neue Aspekte, die gewiss die Bundesvorsitzende Dietlinde Kunad mit ihrem Referat Ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft unterstreichen wird und dem Motto der Tagung Bis heute und darüber hinaus Impulse für eine Fort­setzung dieser so eindrucksvollen Zusammenarbeit geben wird.

Niedersachsen ist ferner altes Lutherland, in dem die Säkularisation andere Wege ging, was sich an der Geschichte der Klosterkammer festmachen lässt. Hier wurde nicht von der Möglichkeit der Übertragung vormaligen Klos­terbesitzes auf die staatliche Kammer – die Finanzver­waltung – Gebrauch gemacht, sondern die eingezoge­nen Vermögenswerte als getrenntes Klostervermögen verwaltet. Sie wurden und werden bis heute zu karitativen, pädagogischen und kirchlichen Aufgaben verwendet. Die ersten Anstöße gingen von einer Frau aus – Elisabeth von Calenberg-Göttingen, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, die 1534 Martin Luther begegnete, 1538 zum Luthertum übertrat und 1542 die Calenberger Kirchenordnung und Klosterord­nung erließ, die zum Grundstein für den Klosterfonds wurden. Mehrere protestantische Damenstifte, zu denen der DEF in engem Kontakt stand, bestehen in Niedersachsen bis heute. Mehrmals waren Stifts­damen die Vorsitzenden des Landesverbandes Nieder­sachsen.

So wird die Tagung einen Grundsatz des Verbandes aufnehmen, der lautet: Unsere Gegenwart fußt auf unserer Geschichte, gleichzeitig erinnern wir für die Zukunft.

Halgard Kuhn

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Gruppenfoto vom Sonnenbergseminar 1995
Sonnenbergseminar 1995; Bildquelle: Jubiläums-Festschrift "30 Jahre Sonnenberg-Seminare"