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Essen gut – alles gut?

|   Aktuelles

Unsere Ernährung und ihre globalen Wirkungen

Wir alle wissen, unsere Nahrung soll gesund sein: weniger Fleisch, und wenn, dann vielleicht mehr Geflügel, mehr Gemüse, Vollkornprodukte. Aber wissen wir auch immer, wo unsere Lebensmittel her­kommen, wo z.B. das Futter für die Tiere herkommt?

Hier ein Beispiel: Wir nehmen im Vergleich zu 2010 mehr Weizenprodukte zu uns und essen auch mehr Geflügel. Da Deutschland seine landwirtschaftliche Nutzfläche nicht mehr erweitern kann, werden die zusätzlich benötigten Flächen im Ausland in An­spruch genommen – 215.000 ha, das entspricht fast der Größe des Saarlands. Allein 37.000 ha davon liegen in Südamerika, wo die geänderte Landnutzung etwa 5,6 Mio. Tonnen an CO2-Emissionen verursacht. Insgesamt erzeugt dieser vergleichsweise kleine Wandel unserer Ernährungsgewohnheiten einen Mehr­ausstoß an indirekten Treibhausgas-Emissionen von etwa 40 Mio. Tonnen. Dies vergrößert auch den bundesdeutschen Klima-Fußabdruck der Ernährung beträchtlich, nämlich um rund 20 Prozent.

Die Grüne Revolution und Monsanto

Gehen wir noch etwas in der Zeit zurück. Die grüne Revolution in den 1960er Jahren brachte den Ent­wicklungsländern mit neuen Anbaumethoden von landwirtschaftlichen Hochertragssorten von zum Bei­spiel Weizen und Reis Rekorderträge. Die Folgen der Grünen Revolution sind international umstritten. Auf der einen Seite verbesserte sie die Ernährungssitua­tion vieler Menschen erheblich, insbesondere in Asien. Auf der anderen Seite sind gravierende Umwelt­schäden in vielen Ländern zu verzeichnen, weil die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion in erster Linie durch Vergrößerung der Anbauflächen, schnel­lere Staffelung der Ernten und um den Preis eines massiven Pestizid-Einsatzes erfolgte.

Und hier kommt mal wieder Monsanto ins Spiel, der zum einen mit dem Einsatz von Unkrautvernich­tungsmitteln und zum anderen mit Hybrid-Saatgut zur Ausbeutung der Bauern beiträgt, da das Pestizid teuer ist und ebenso das Saatgut, da es jedes Jahr neu gekauft werden muss und nicht aus der Vor­jahresernte genommen werden kann.

Heute sieht es so aus, dass die Supermarktriesen den Anbau steuern, was auch mit dazu beitrug, dass in den letzten Jahrzehnten 75 Prozent der Kultur­pflanzen verloren gegangen sind.

Nahrungsmittel. Lebensmittel. Dasselbe?

Ernährung ist mit einem Informationsproblem belas­tet. Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern fehlen unabhängige Informationen über Ernährung und Gesundheit. 80 Prozent der Zivilisationskrankheiten entstehen durch falsche Ernährung. Dazu gehören Diabetes, Karies, Bluthochdruck, Schlaganfall, Herz­infarkt.

Der Begriff Nahrungsmittel sowie der Begriff Lebens­mittel sind uns geläufig. Beide werden oft von uns synonym benutzt. Bezeichnen sie aber wirklich das­selbe oder gibt es Unterschiede? Obwohl die moder­ne Ernährungswissenschaft längst zutage gefördert hat, dass es triftige Gründe gibt, den Unterschied zwischen Lebensmitteln und Nahrungsmitteln zu kennen, hält das Verwirrspiel mit den beiden Begrif­fen bis heute an. Interessanterweise wird z.B. auch in Italien zwischen Lebensmitteln „viveri“ (vivere = leben) und Nahrungsmitteln „alimentari“ (alimentare = ernähren) begrifflich unterschieden.

Prof. Werner Kollath, Dr. Max Bircher-Benner und Dr. Max Otto Bruker u.a. waren die Pioniere, die durch Forschungsergebnisse den Unterschied zwischen Le­bensmittel und Nahrungsmittel auf den Tisch legten. Doch bis heute bleibt dieser Unterschied der breiten Masse verborgen.

Lebensmittel sind lebendige Nahrung. Lebensmittel können noch sprossen und keimen. Nahrungsmittel sind nur noch Nährstoffträger, ohne Lebendigkeit.

Die Lebensmittelpyramide – Hilfe oder Joke?

Der Nachteil der Ernährungspyramide ist, dass der Vitalstoffgehalt bei den dargestellten Produkten keine Rolle spielt. An echten Lebensmitteln kann die Nahrungsmittelindustrie nicht viel verdienen, warum sollte sie sie dann auch bewerben?

Auch mit der Ampelkennzeichnung ist dem Konsu­mierenden nicht geholfen. Der Hinweis auf quanti­tative Inhaltsstoffe eines Produkts ersetzt nicht das Wissen um den Wert einer Nahrung, die Ampelkenn­zeichnung kann die Fragen der Konsumenten an das Produkt nicht beantworten; sie gibt so wenig wie die Ernährungspyramide Aufschluss über die Herstellungs­verfahren eines Nahrungsmittels. Und das Wissen über das Herstellungsverfahren eines Produktes sollte beim Einkauf die entscheidende Rolle spielen.

„Buen Vivier“ ist ein zentrales Prinzip in der Weltan­schauung der Völker des Andenraums. Es kann als »Zusammenleben in Vielfalt und Harmonie mit der Natur« verstanden werden und ist auch so in der Verfassung verankert. Vielleicht sollten wir auch ein bisschen mehr auf Genuss mit Lust achten, denn bekanntlich ist weniger ja mehr.

Doris Wunder-Galliwoda

Leiterin der Projektgruppe „Umwelt/Nachhaltigkeit“ der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte in Bayern

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