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Digitalisierung - im Großen und im Kleinen

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Vor kurzem las ich im Wartezimmer meines Arztes von einem Kardiologen, der im Flugzeug saß. Das Flugzeug durfte nicht starten, weil ein Mitreisender einen Schwächeanfall hatte. Dank seines Smartphones und eines zusätzlichen Gerätes konnte er beim Patienten ein EKG vornehmen, die Sauerstoffsättigung des Blutes feststellen und eine Ultraschalluntersu­chung direkt im Flugzeug vornehmen, das dann pünktlich starten konnte.

Eine kleine positive Geschichte zur Digitalisierung; allerdings zeigt sie auch, wie weitreichend kleine Programme und handliche Zusatzgeräte eine ganze Industrie verändern können. Es braucht keine sehr teuren stationären Geräte wie MRT und CT mehr. Es braucht keine Praxen mehr, keine Mieten, keine Arbeitsplätze in Praxen, es wirkt sich aus bis hin zu meiner Gewohnheit, Zeitschriften im Wartezimmer lesen zu können. Es wird einem ganz schwindelig! Ganze Berufsbilder werden sich verschieben oder gar verschwinden. Auch solche, an die wohl bei Digitalisierung niemand sofort denkt. Andererseits werden mit neuartigen 3-D-Druckern passgenaue Gelenkteile wie Wirbel oder Kniegelenke im OP-Saal erstellt und dem Patienten sofort eingesetzt. In der Industrie werden über 3-D-Drucker inzwischen ganze Maschinen als Einzelgeräte erstellt.

Begeistert war ich vor kurzem über einen Bericht im Fernsehen zur Handynutzung in Afrika. Geld wird über Handy eingezahlt und abgebucht. Viele Wege müssen dadurch nicht mehr gegangen werden – wirklich kilometerlange Wege! Viele Firmen mit innovativen Ideen mieten sich gemeinsam ein kleines Büro, sie brauchen nur bedingt eine übliche Firmen­ausstattung. Dort werden gemeinsam kreative Ideen ausgedacht und umgesetzt. Der Tenor der Sendung war, dass Afrika mit Riesenschritten vom Mittelalter in die Zukunft gestartet ist.

Auch hierzulande ist das Einkaufen und Bezahlen mit dem Smartphone auf dem Vormarsch. Kunden könn­ten schon beim Betreten des Ladens per App über aktuelle Angebote informiert werden. Der Strichcode am Apfel informiert über seine genauen Herkunfts­daten. Rezepte für die Verarbeitung und die dazu notwendige Erweiterung des Einkaufs gibt es oben­drein – und bezahlt wird sofort mit dem Handy. Aber immer muss vorher irgendwann eine Einverständnis­erklärung gegeben werden – so die Planung und der­zeit rechtliche Seite. Allerdings hat diese Bequem­lichkeit einen Preis. Jede Person gibt beim Betreten des Ladens die eigenen Daten preis. Ein hoher Preis, weil diese Daten auch in falsche Hände geraten könnten. Absicht des Handels ist – wir wissen es längst – von jedem Kunden/jeder Kundin ein Profil zu erstellen. Mit den Kenntnissen der Einkaufsgepflo­genheiten einzelner Personen lässt sich ganz anders beim eigenen Einkauf des Handels planen. Auch das Prinzip der Kundenbindung steckt dahinter. Wie meinte ein Experte des Kölner Institutes für Handelsfor­schung: „Für viele kleine Boutiquen oder auch Tante-Emma-Läden ist es schon früher ein Erfolgsrezept ge­wesen, die Bedürfnisse der Kunden genau zu kennen. Dafür brauchen wir mehr Daten. Die Kundenkarte ist seit langem ein Klassiker unter den Systemen zur Datensammlung.“

Für junge Menschen ist das Datensammeln über Smartphone kein Problem. Sie wollen permanent online sein. Der Ruf nach Plätzen mit ständig freiem WLAN-Zugang ist überall zu hören. Nein – nicht über­all. Augsburg hat bereits das kostenlose Angebot von kommunalen Hotspots zurückgezogen. WLAN-Strah­lung und die Strahlung in der Mikrowelle sind mit der Frequenz von 2,4 GHz gleich. Die Watt-Zahl der Mikrowelle ist höher, andererseits potenziert sich die WLAN-Strahlung durch die vielen Quellen rundum. So ergibt sich schnell eine echte Strahlenbelastung! Meldungen über Krankheiten, die durch ständige Strahlung ausgelöst werden, häufen sich. Schweden ist das erste Land, das „Elektrosmog-Hyperempfind­lichkeit“ als Krankheit anerkennt und in Kranken­häusern mindestens ein Zimmer vorschreibt, in dem keinerlei Strahlung gegeben sein darf.

Digitalisierung hat wirklich viele Sonnen- und Schattenseiten. Es ist wichtig, dass sie jede/jeder von uns kennt. Wir leben in dieser digitalen Welt. Die Vorzüge und Gefahren bewusst einzuplanen ist unsere eigene persönliche Verantwortung. Stellen Sie sich dieser Aufgabe, informieren Sie sich weiter und reden Sie mit Ihren Freunden, Bekannten und natürlich in der Familie darüber.

Hannelore Täufer, AEH-Projektleiterin Gesellschafts­politik

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